Garngeschichte

 
Die Herstellung von Garnen ist bis zur Jungsteinzeit zurückzuverfolgen. Darauf weisen frühe bildliche Darstellungen und Funde von Geräteresten hin. In Mitteleuropa wurde das Spinnen mit der Handspindel im 6. und 7. Jahrhundert entdeckt. Bei dieser Spinnart wird das Fasermaterial zu einem Rocken geordnet, gleichmäßig herausgezogen und erhält durch die Drehung der Spindelspitze die Verfestigung. Danach wird das gedrehte Stück auf die Spindel aufgewunden.
Das mechanische Spinnen begann mit der Entwicklung des Handspinnrades und wird bereits in der Chronik von Speyer im 13. Jh. n Chr. erwähnt. Die bekannteste Ausführung des Flügelspinnrades (Tretspinnrad) entwickelte Johannes Jürgen aus Wolfenbüttel bei Braunschweig. Als eigentlicher Erfinder gilt jedoch Leonardo da Vinci.
 
Bei diesem Spinnvorgang werden nur die Fasern aus dem Rocken gezogen, der drehende Flügel dreht und verfestigt das Garn. Durch die Geschwindigkeitsdifferenz von Flügel und gleichzeitig angetriebener Spule wird der Faden direkt aufgewunden. Dieser ununterbrochene Spinnprozeß wurde später auf das Ringspinnprinzip übertragen. Das Maschinenspinnen beginnt hauptsächlich in England im 18. Jh. Mit der Verspinnung der Baumwolle.
 
Die zeitliche Entwicklung der Garnverarbeitung
1738   Pauls und Wyatt beantragen das Patent einer Spinnmaschine mit einem Streckwerk aus zwei Zylinderpaaren.
1767   James Hargraves erfindet die Spinnmaschine mit 8 Spinnstellen und nennt sie "Spinning Jenny"
1769  R. Arkwright entwickelt mehrere Patente wie z.B. die Flügelspinnmaschine, die ab 1775 mit Wasserkraftantrieb weiterentwickelt wurde.
1785  Erster Einsatz von Dampfmaschinen in Spinnereien.
1789  Die erste Kämmmaschine wird von John Carthwright entwickelt.
 
Anfang des 19. Jh. entstehen große Spinnereien und Webereien. Es erfolgt eine ständige Verbesserung der Spinnereimaschinen. Einen besonderen Fortschritt zeigte die erste Weltausstellung 1878 in Paris.
Das maschinelle Verspinnen von Wolle entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachdem 1803 Martin Krempel den Florteiler und 1833 der Berliner Tuchmacher Sehlmacher die Wollwaschmaschine erfand.
 
Weiterhin erfanden
1835   Fairbairns die Nadelabstrecke und
1843   Josua Heilman die Kämmmaschine heutiger Bauart sowie
1850  Lister die Kämmmaschine für langstapelige Wollen.
 
Bis ca. 1950 wurde die bekannte Spinntechnologie weiterentwickelt, d.h. bezüglich des Spinnprozesses
ständig verkürzt und die Maschinen wurden entsprechend produktiver. Außerdem konnte die Garnqualität wesentlich verbessert werden. Anlässlich der ITMA 1955 wurde durch Meimberg eine neue Spinntechnologie des OE-Spinnen (Open End) erstmals mit einer Maschine vorgestellt, um das Ringspinnen mit seinen Leistungsbeschränkungen durch Spindel, Ring und Läufer zu ersetzen.
1965 stellte das tschechische Forschungsinstitut "Usti nad Orlici" auf der Messe in Brünn die erste OE-Rotorspinne vor. Alle wesentlichen technologischen Entwicklungen der letzten Jahre zielen ebenfalls auf die letzte Fertigungsstufe, d. h. auf die Ergänzung der Rinnspinnmaschine. Genannt sei hier das Friktionsspinnen und das Luftfalschspinnen.
 
Der zweite Entwicklungsbereich bezieht sich auf Automatisierung und Prozessverknüpfung. Qualitätssicherung und Prozesssteuerung allgemein ausgedrückt Computer Integrated Manufacturing (CIM).
 
Quelle: Schoeller - Gesamttextil